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 Mehrfach-Wertung der Redaktionchildrenofbodom_haloofbloodSie waren mal das heißeste Ding im Metal, als sie als Jungspunde mit ihrem rasanten Melodic Death die Szene aufmischten. Sie waren mitunter der Inbegriff der scheinbar nie enden wollenden finnischen Herrlichkeit, als das Land so einige Genres mitgeprägt hat. Es war einfach dieses Melodieverständnis, dass den Menschen aus Suomi so eigen ist, dass CHILDREN OF BODOM auf ihren ersten vier Alben zu etwas besonderem machte. Doch dann versuchte man jenseits des großen Teichs Fuß zu fassen und passte sich da stilistisch mit modernen Thrash-Elementen an. Der Erfolg gab ihnen zum Teil recht, doch die Klasse konnte Scheiben wie "Are You Dead Yet?" nicht mehr halten. Zwei Jahre nach vagen Rückbesinnung mit "Relentless Reckless Forever" steht nun "Halo Of Blood" in den Regalen, mit dem alles besser werden soll.

Danach sieht es zuerst einmal aus, denn "Waste Of Skin" eröffnet in altbekannter Manier. Aus hämmernden Staccatos erwachsen schnelle Leads, die teilweise vom Keyboard flankiert werden. Die Truppe gibt richtig Gas und brilliert mehr in Läufen als in abgehacktem Riffing.  In die selbe Kerbe schlägt "These Days Are Numbered", welches mit ein paar feinen Harmonien aufwartet. Diese sind allerdings nicht mehr so am Folk orientiert wie seinerzeit bei "Follow The Reaper", aber das dürfte der neueren Zielgruppe geschuldet sein.
Wenn überhaupt zitiert der ebenfalls klassische CHILDREN OF BODOM- Titel "One Bottle And A Knee Deep" diese Phase. Der Titelsong täuscht sogar schwarzes Gitarrengesirre an und sucht ebenfalls den Weg zurück. Wer moderne Parts sucht wird eher bei "Bodom Blue Moon" oder "Damaged Beyond Repair" fündig. Über weite Strecken bestimmen die Gitarren von Alexi Laiho und Roope Latvala das Geschehen. Die Tasten von Janne Wirman waren schon präsenter, dürfen aber wie bei "Transference" wuchtig in die Riffs hinein schneiden oder sich bei diversen Soli mit Laiho duellieren.

Was jetzt natürlich alte Fans versöhnen dürfte, ist aber unter dem Strich doch nicht so weltbewegend wie man annehmen dürfte. Zwar sind alle stilistischen Trademarks vorhanden, doch qualitativ hinkt man doch hinter den ersten vier Scheiben zurück. Mir fehlt hier einfach die Spielfreude, diese ungezwungene, aufbrausende Melodieseligkeit, die CHILDREN OF BODOM bei aller Härte hatten. Nennen wir es ruhig das finnische Element, aber insgesamt haben Bands aus dem Land nicht mehr so einen entscheidenden Einfluss auf die Szene.
"Halo Of Blood" wirkt über weite Strecken wie vom Reißbrett, es fehlt einfach die Frische, dieses Unverbrauchtheit. Klar kann man dieses Ungestüme nicht mehr bei solch arrivierten Acts erwarten, viele kommen aber mit reiferer Songanlage um die Ecke. Und die hat sich bei dem Fünfer nicht eingestellt, oder besser war schon immer da. Denn das war ja deren Erfolgsrezept, dass man die ungezügelte Wut so gut in ausgefeilte Songs und Arrangements fassen konnte. Die instrumentalen Fähigkeiten sind zwar weiter beeindruckend, wirken aber oft wie Kalkül.

Auch Frontmann Alexi Laiho klingt wie an die Kette gelegt, sein Gesang sehr gepresst. Wo früher das hysterische Schreien vorherrschte nutzt er heute öfter die tiefere, todesmetallische Stimme. Dadurch kann man nur noch wenig von der früheren Aggressivität ausmachen; müde geworden,  Herr Rockstar? Um weiter das "Wild Child" zu geben, reicht es nicht aus, im Sekundentakt auf den Bühneboden zu spucken. Wo ist der lodernde Wahn des Black Metal geblieben, welchen man einst so genial in den Melodic Death integrierte? Leider war es nicht der Schwenk zu modernen amerikanischen Metal, der die letzten drei Alben so zwiespältig werden ließ, sondern einfach die abhanden gekommene Fähigkeit, wirklich große Hymnen zu schreiben. Von den technischen Vorrausetzungen her ist das Jammern auf hohem Niveau, aber die durchaus berechtigte Hoffnung erfüllte sich nicht. (Pfälzer)

 

Bewertung: 6,5 / 10


Anzahl der Songs: 11
Spielzeit: 46:13 min
Label: Nuclear Blast
Veröffentlichungstermin: 07.06.2013

Wertung der Redaktion
David Andreas Anne Maik Pascal Brix Seb
6,5 7,5 7 7,5 7 7 7
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