hammerfall builttolast200nb mehrfachwertungEinst als die Erretter des klassischen Metal gefeiert, laufen die Geschäfte bei den Schweden seit einiger Zeit nicht mehr so rund. Nach vier Alben, die allesamt den europäischen Power Metal geprägt haben, gelang ihnen danach nie mehr an diese Leistungen anzuknüpfen. Das gleiche Schicksal ereilte einst CHILDREN OF BODOM, doch die konnten mit „I Worship Chaos“ endlich wieder gekonnt nachlegen. HAMMERFALL hingegen verloren gegenüber der Konkurrenz von POWERWOLF und SABATON immer mehr an Boden, auch wenn die ihre stärksten Scheiben auch nicht mehr zu toppen vermögen. Nun folgte auf die Trennung von Schlagzeuger Anders Johansson noch eine viel einschneidendere Veränderung. Nach fast zwanzig Jahre trennten sich die Wege von Label Nuclear Blast, was einer Zäsur gleich kommt, schließlich sind die Erfolgsgeschichte beider eng miteinander verbunden. Nun haben sie beim den kleineren Napalm Records angedockt, die Zielsetzung indes bleibt immer noch die selbe, mit „Built To Last“ zu alter Stärke zurück zu finden.

Der Anfang kommt einem direkt bekannt vor, ob das nun ein Vorteil ist, lasse ich mal dahin gestellt. Sicher fühlt sich "Bring It!" vom ersten Moment vertraut an, doch ein gewisse Verbrauchtheit hatte sich ja schon in der Vergangenheit eingestellt. Die veranlasste die Truppe es zwischendurch auf "Infected" mit ein paar moderneren Tönen zu versuchen, was sich aber nicht als die richtige Lösung heraus stellen sollte. Also bleibt man lieber in seinen eigenen Koordinaten gefangen und macht das, was man am besten kann.
Dies wäre im Falle des Openers erst Mal richtig Gas zu geben, Flucht nach vorne war ja schon immer ein probates Mittel, auch auf die Gefahr hin, dass alle bisherigen Platten so anfingen. Chöre sind auch immer beliebt im Power Metal, zum Glück kommen diese bei HAMMERFALL wesentlich maskuliner daher als bei der Konkurrenz. So kommt der Eröffnung durchaus schmissig daher, aber eben nicht so wie auf ihren Klassikern. Das treibende, etwas simple Riff beim folgenden "Hammer High" zeigt auch schon einen Mangel auf, denn der Gitarrensound dürfte ein paar Kanten mehr besitzen.
Hier wurde die Chöre noch etwas mehr in den Vordergrund gestellt, vielleicht auch um die etwas schmale Stimme von Joacim Cans zu kaschieren. Die war ja immer sehr hoch und in der Höhe wird die Luft ja auf dünn, doch eine gewisse Power hatte er schon in den Lungen dahinter. Vor ein paar Jahren hatte der Mann auf der Bühne Stimmprobleme, die schienen zuletzt überstanden, doch nun offenbart er auf Platte Schwächen wie das flotte "The Sacred Vow" belegt. Das macht sich besonders bei der völlig unspektakulären Ballade "Twilight Princess" bemerkbar, die deswegen vor sich hin plätschert.

Zum Glück gibt es auf "Built To Last" genug, worüber sich die Fans freuen können, nehmen wir nur mal den Titelsong. Die verschleppten Staccatos machen Spaß, laden zum gepflegten Bangen ein, der Refrain will mitgegrölt werden und in Sachen Soli überzeugen die Schweden ohnehin. Richtig stark wird es vor allem, wenn das Tempo variiert wird, auch wenn das pfeilschnelle "Dethrone And Defy "zu den besten Kompositionen zählt. In "Stormbreaker" wechseln sich interessante Leads mit eher komplexen Riffstrukturen ab, bevor im Chorus die DoubleBass durchgetreten wird. Das Up-Tempo-Stück "The Star Of Home" nimmt sich in der Mitte eine kleine Auszeit für die ruhigen Momente und der Rausschmeißer "Second To None" ist mit sakraler Stimmung und MALMSTEEN-Momenten gesegnet. Natürlich darf der ACCEPT-Groove nicht fehlen, in "New Breed" geben sich auch die Chöre wieder schön maskulin.

Aber kann das alles den leckgeschlagenen Kahn wieder aufrichten? Ich weiß nicht, wie ich eingangs erwähnt habe, kommt einem so einiges allzu bekannt vor, so dass man fast Gefahr läuft austauschbar zu klingen. Vor allem hat man das eben schon einmal besser gehört, die ganz große Euphorie scheint mittlerweile abhanden gekommen zu sein. Natürlich ist da nichts aufgenommen worden, was man als Ausschuss deklarieren könnte, bisherige Getreue müssen sich nicht abwenden, doch der Befreiungsschlag glückt auch mit "Built To Last" erneut nicht. Ich weiß nicht, ob die alte Wirtschaftswissenschaftsweisheit, dass Stillstand Rückschritt bedeutet stimmt, doch große Schritte werden HAMMERFALL damit nicht tätigen können. (Pfälzer)


Anzahl der Songs: 10
Spielzeit: 47:46 min
Label:Napalm Records
Veröffentlichungstermin: 11.11.2016

Bewertung:

Pfaelzer7,0 7 / 10


Anne7,0 7 / 10

David7,0 7 / 10

Klaus6,0 6 / 10

Maik7,5 7,5 / 10

Matthias6,0 6 / 10

Pascal6,0 6 / 10

Alex27,5 7,5 / 10


hammerfall builttolast700

 

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Pascals Avatar
Pascal antwortete auf das Thema: #19972 1 Jahr 5 Tage her
Mir geht es da ähnlich wie Anne, mitunter die schlechten Lyrics vertreiben mich zunehmend von der Band. Dabei finde ich sie musikalisch durchaus erhaben.

Irgendwie Schade.
Annes Avatar
Anne antwortete auf das Thema: #19957 1 Jahr 6 Tage her
Hammerfall präsentieren tight gespielten, typischen europäischen Power Metal, so wie ihn der europäische Power Metal-Fan hören will. Musikalisch gar nicht schlecht, könnte ich mir ohne Probleme geben. Grundsätzlich mag ich Power Metal ja. Leider übertreiben es HAMMERFALL aber mal wieder mit dem Pathos, den Chören und die Texte… Die Texte gehen gar nicht. Ja, auch typisch Power Metal. Aber eben genau die Art Texte, die mich letztendlich vom Power Metal vertrieben haben. Refrains wie
“Hammer high this is a freedom cry!
Hammer high, no one should ask me why!
It's my life – tell me I will defy!
Hammer high until I die!”
Gehen einfach gar nicht. Absolut gruselig. Hatten die einen bandinternen Wettkampf, wer die meisten Reime auf „high“ findet?
Wenn dann noch die Twilight Princess besungen wird, dann fragt man sich schon, ob HAMMERFALL von RHAPSODY unterwandert wurde… Oder sollte man zu diesem Album besser Power Metal Bingo spielen? Sonderpunkte gibt es aber für die Verwendung des Wörtchens „infidel“. Ewig nicht mehr gehört…
Also ich weiß nicht. Wenn man 17 ist und gerade eine Band gegründet hat oder wenn man 15 ist und gerade entdeckt, dass es sowas wie Metal gibt, dann findet man sowas bestimmt total geil. Aber die Bandmitglieder sind mittlerweile alle jenseits der 40. Kann man als gestandener Mann wirklich noch ernsthaft solche Texte singen, ohne sich dabei saudämlich vorzukommen? Ich könnte das nicht.

Also wie gesagt, musikalisch top, aber aufgrund der fürchterlichen Lyrics wird dieses Album bei mir wohl nie wieder laufen.

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