axelrudipell tourplakatDer Pellator ist ja die Verlässlichkeit in Person, in schöner Regelmäßigkeit liefert er neues Material und klappert die Clubs der Nation ab. Mittlerweile steht ja auch die meist frequentierte Konzerthalle der saarländischen Hauptstadt öfter auf dem Programm. Dort stellte AXEL RUDI PELL sein neues Album "Knights Call" vor, welches nach zwei schwachen Veröffentlichungen wieder stärker ausfiel und erneut die Top Ten der deutschen Albumcharts knackte. Nicht nur die Qualität und Präsenz des Wattenscheiders ist konstant, sondern auch sein Erfolg, weswegen die Garage wieder sehr gut gefüllt war. Als Support fungierten wenig überraschend die Schweizer CRYSTAL BALL, eigentlich hat man da ja nur darauf gewartet.

CRYSTAL BALL
Immerhin hatte ich den Jungs einest den Titel "Meiste Vorband Der Welt" verliehen, denn so oft wie die Hard Rocker habe ich noch keine Formation als Support anderer Bands erlebt, die Liste reicht von PRETTY MAIDS über AXXIS, bis zu FREEDOM CALL. Und wenn sie eines können, dann ist das Anheizen, denn sofort war Stimmung in der Bude, in welcher die Reihen, trotz frühem Beginn wegen anschließender Discoveranstaltung, ziemlich eng waren. Die Eidgenossen waren sehr um das Publikum bemüht und suchten immer wieder den Kontakt, auch wenn einiges in den allzu üblichen Animationsspielchen verhaftet war, doch die funktionieren auch immer wieder am besten.

Vor allem Steve Mageney war da sehr engagiert und feuerte die Zuschauer immer wieder an, während seine Mitstreiter eher auf Blickkontakt aus waren, dazu oft bis an den vorderen Rand kamen und die eigens mitgebrachten Riser ausgiebig nutzten. Dabei haben sie mit dem Frontmann endlich mal jemand in ihren Reihen, der auch etwas mit sich anzufangen weiß, wenn es nichts zu singen gibt. Immer wieder war er auf allen Positionen unterwegs, auf der Suche nach dem letzten, der nicht mitmachen wollte, poste er mit seinem Mikroständer oder bangte im Takt mit seiner Saitenfraktion.
Um seine Beweglichkeit noch zu erhöhen hatte er eine Tasche am Bein, in welcher er sein Arbeitsgerät verstauen konnte, hatte ich bisher so nur bei URIAH HEEP gesehen. Ob er sich mit der Bemerkung, dass er aus Wuppertal sei und nicht aus dem Land der Berge und Käse, einen Gefallen getan hat, sei mal dahin gestellt. Es gibt sicher schönere Orte, wo man leben kann, auch wenn Cleveland oder Kamp-Linfort noch hässlicher sind. Nein, da wäre mir das Heidi-Panorama dann doch lieber.

Dafür waren die Bühnenoutfist sehr nett anzuschauen, ich liebe einfach diese Achtzigerklamotten mit weit geöffneten Hemden, die auch mal das Brusthaar des Sängers frei legen und die historischen Armeejäckchen aus dem Fundus von Malmsteen und Hendrix. Passend dazu fiel auch das Stagecting aus, bei ihren Soli pflegten Tony Castell und Scott Leach die großen Gesten, ihr Kollege an den vier Saiten lieferte seine Backgroundvocals schön breitbeinig ab. Selbst Marc Sardella bot mit seinem knalligen Schlagzeugspiel etwas für das Auge. Schade, dass die Formation nie größer wurde, denn eine ein paar Nummern größere Bühne hätten sie auch bequem ausgefüllt mit ihrer Präsenz.

Der Spaß kam natürlich beim Publikum an, welches sich auch gerne zum Mitsingen verleiten ließ und kräftig Applaus spendete, natürlich sind die eingängigen Songs dafür sehr gut geeignet. Damit konnten CRYSTAL BALL die beste Werbung für ihr neues Album "Crystallizer" machen, welches just an dem Tag erschien, was vielleicht ein wenig zu oft angesprochen wurde. Daraus gab es mehrere Kostproben auf die Ohren wie "Gentlemen´s Agreement" oder den Titeltrack zum Auftakt.
Ansonsten standen die Alben seit der längeren Bandpause klar im Vordergrund, welche mit Stücken wie "Hold The Flag", "Mayday!", "Anyone Can Be A Hero" und dem großartigen Rausschmeißer "Paradise" vertreten waren. Live kamen diese auch deutlich knackiger und druckvoller als auf Platte, wo sie mir ein bisschen zu steril klingen. Aus der frühen Bandphase hielt sich mittlerweile nur noch die Hymne "Hellvetia" im Programm, wobei mir Sachen wie "Lay Down The Law" oder "Dance With The Devil" schon fehlen. Doch auch mit aktuellem Material lieferten sie einen Auftritt, mit dem sie sich einige neue Freunde gemacht haben dürften.

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AXEL RUDI PELL
Freunde hat der gute Axel genug, und die machten sich lautstark bemerkbar, als er und seine Mannschaft die Bühne enterten. Gut, alle waren nicht an Bord während man das gewohnt wuchtige Intro zum Besten gab. Der agile Frontmann kam wie gewohnt immer bei den ersten Gesangstönen auf die Bühne gestolpert und gebärdete sich wie ein hüpfendes Gummibärchen. Immer bester Laune grinste sich Frontmann durch das komplette Set und hatte dabei sichtlich seine Freude. Immer wieder sprintete er die Bretter entlang und blieb dabei oft im vorderen Rand stehen, um engsten Kontakt mit seinen Fans zu haben.
Der war ihm manchmal nicht eng genug, weswegen er sich hinunter in den Photograben wagte und auf der Absperrung direkt bei seinen Anhängern die Melodien intonierte. Trotz all der Umtriebigkeit litt sein Gesangsvortrag kein bisschen unter seinem kräftezehrenden Stageacting. Manchmal zog er die Töne extra lange aus seinem kräftigen Brustkorb, als wolle er beweisen, was er zu leisten imstande ist. Da wurde jeder Ton zelebriert und die Melodien mit viel Hingabe und Gefühl hinaus gehauen. Die dazugehörigen Gesten fielen natürlich ein bisschen hektischer und weniger theatralisch aus als bei anderen Barden, doch das ist einfach die Art von Johnny Gioeli und dafür lieben ihn die Fans.

Das durfte diese auch erwarten, dafür sind sie gekommen, aber der Spaß an seinem Job war ihm und der gesamten Mannschaft anzusehen. Da wurde auf der Bühne immer wieder gescherzt und geflachst, manchmal wüsste man doch schon gerne, was sich die Herren da so zustecken. Für die Gruppendynamik ist das natürlich sehr gut, der Fünfer agierte unglaublich kompakt. Was allerdings auffiel war die überraschende Bewegungsfreude des Mastermind, der nicht wie sonst nur auf der rechten Bühnenseite in sein Spiel vertieft war. Immer wieder tauchte er bei seinen Soli am vorderen Bühnenrand auf und schien den spürbaren Zuspruch zu genießen. Irgendwann ging er dann so richtig aus sich heraus, tat es seinem Vorturner Gioeli gleich und enterte den Photograben, um dort seine Künste aus nächster Nähe zu präsentieren.

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Dabei hatte er gar nicht so viel Gelegenheiten wie sonst, denn im Verhältnis zu früheren Shows hat man die Soloanteile deutlich zurück geschraubt. Heuer zeigte sich die Band songdienlicher, bringt lieber mehr Titel an den Start, exerziert diese aber nicht bis zum Exzess durch, sondern pflegt sie auch mal gerne zum Medley zusammen. Das unvermeidliche aus den zwei großen Epen seiner Geschichte handelte AXEL RUDI PELL in zehn Minuten ab, es gab Zeiten, da improvisierte er auch mal eine halbe Stunde darüber. Auch die Duelle mit Keyboarder Doernberg fielen der Herangehensweise zum Opfer, was den dauergrinsenden Tastenmann nicht daran hinderte, sich mit seinem Arbeitsgerät auf Reise zu begeben.
Trotz des starken Bandgefüges sind hier immer noch ausgezeichnete Individualisten am Werk, die auch ein bisschen Freiraum brauchen. Bobby Rondinelli durfte auch bei einem Solo ran, in dem er ähnlich lässig agierte wie bei seinem Rhythmusspiel, die knalligsten Breaks scheint der Mann einfach aus dem Ärmel zu schütteln. Sein Partner an den vier Saiten pumpte mit seinem schicken Expander-Bass ein paar Songs ordentlich nach vorne, während er bei den ruhigeren Stücken die Atmosphäre unterstützte, welche Doernberg aus seinen Synthesizern zauberte. Diese Gelegenheiten zum Glänzen kosten die Musiker auch aus, während sich der blonde Sechssaiter nur sporadisch mit Leadfills meldete, dann aber mit ungeheuer viel Feeling.

Neben ein paar mehr Songs als zuletzt gab es auch die ein oder andere Überraschung im Set. Gut, das leicht bluesige Epos von "The Masquerade Ball" ist bereits seit der letzten Tour wieder im Programm, aber dieses Mal wurde beim Beitrag aus dem "Kings And Queens"-Lonplayer ein anderes Ass aus dem Ärmel gezogen. Bislang schien "Strong As A Rock" fest gemeißelt, warum man nicht mal eine andere Nummer brachte überraschte die Musiker bei der Ansage selbst. Dabei hätten sie diesen an dem Abend gespielten Titel bereits 2005 am Tag nach dem Balinger Sturm auf dem "Bang Your Head" spielen müssen, hätte zu gut gepasst.
Vom neuen Werk gab es gleich vier Kostproben, die gut bei den Zuschauern ankamen, obwohl die bekanntesten Gassenhauer natürlich immer noch die meisten Reaktionen hervorriefen. Doch gerade "Long Live Rock", welches sich in den Kanon der Hymnen einreihen könnte, wurde kurz nach Erscheinen schon lauthals mitgesungen. Die ganz überschäumende Stimmung herrschte nicht, dazu war das Publikum vielleicht schon etwas zu betagt und wollte nach langer Arbeitswoche lieber eine gute Zeit haben. Das hielt Axel und seine Mannen nicht davon ab, 110 Minuten Vollgas zu geben, die bewiesen, dass er noch lange nicht am Ende seiner Reise angekommen ist. (Pfälzer)

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Setlist AXEL RUDI PELL:
The Wild And The Young
Wildest Dreams
Fool Fool
Oceans Of Time
Only The Strong Survive
Mystica
 -Drumsolo-
Long Live Rock
 -Keyboardsolo-
Games Of Sins/Towers Of Babylon/GameOf Sins
The Line
Warrior
Edge Of The World/Truth And Lies/Carousel
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The Masquerade Ball/Casbah
Rock The Nation

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