Nathan Gray Tour klein

An evening with NATHAN GRAY war das Konzert im Karlsruher Cafe Nun betitelt. Und hat damit nicht zu viel versprochen. Der Sänger schließt an diesem Abend seine erste Solo-Tour ab, die direkt im Anschluss an das Großevent Family First Festival, welches er noch mit seiner Band BOYSETSFIRE bestritten hat, eine Woche zuvor in Köln begonnen hat. Es ist eine sehr intime Show, die kleine Bühne von 3 Seiten von Publikum umringt, so dass kein Fluchtweg mehr offen bleibt; Nathan ist gut gelaunt, wenn auch nach 12 Tagen am Stück täglicher Auftritte ein wenig erschöpft. Trotzdem ist er absolut präsent und der geborene Entertainer. Und wie jedes Mal, wenn ich ihn, ob nun solo oder mit Band, auf der Bühne sehe, kann ich nicht verstehen, dass dieser Mann (und auch im Falle von BOYSETSFIRE diese Band) noch einem regulären Beruf nachgehen muss, während die durchschnittlichen Popsternchen im Geld und Ruhm nur so schwimmen. Aber vermutlich macht genau diese Bodenständigkeit und Nähe zum Publikum ihn zu dem besonderen Künstler, der er nun mal ist.

Auch was den Ablauf des Abends angeht, ist der Name der Tour Programm. Es gibt keine Vorband, keinen Supportkünstler. Es ist NATHAN GRAY pur, alleine mit seiner Gitarre. In Anfass-Nähe zu seinen Fans. Die in dem kleinen, mit 100 Gästen restlos ausverkauften Cafe auf Bänken, Hockern, Stühlen und sogar Fensterbretter sitzen – wer keinen Sitzplatz mehr ergattern konnte, steht um die Bühne oder an der Theke. Niemand ist hier wirklich weit vom Ort des Geschehens entfernt und jeder wird einbezogen. Nicht auf die Art, wie das bei größeren Auftritten hin und wieder stattfindet, nach dem Motto alle hinsetzen und aufspringen oder ein fröhliches zum Im-Takt-Mitklatschen Aufgefordere. Nein, hier wird der Fan als Mensch angesprochen. Als Individuum, dass die Probleme und Emotionen, die hinter den Liedern stecken, mit dem Sänger teilt. Nathan kündigt jedes Lied einzeln an und erzählt nicht nur durch die Songtexte, sondern auch durch die Geschichten, die auf persönlichen Erfahrungen beruhen und in irgendeiner Art und Weise jeden von uns betreffen oder jedem so passieren können. Er animiert zum Nachdenken, zum Umdenken. Und unterstreicht dies durch wahrlich inspirierende und wunderschöne Lieder, die zum Teil für das Soloalbum „Feral Hymns“ geschrieben wurden, teils auf eine Gitarre heruntergebrochene BOYSETSFIRE Songs wie zum Beispiel „Phone Call (4 a.m.)“, „Fall From Grace“ oder das Intro von „Walk Astray“. Aber auch von den Projekten THE CASTING OUT und NATHAN GRAY COLLECTIVE, wovon ohnehin einige Tracks auch auf dem Album in angepasster Version zu hören sind, werden weitere Lieder gespielt wie etwa „The Upper Hand“ und „Lullaby“; sowie ein einziger Song, der nicht zu einem von Nathans Projekten gehört wird gespielt – „Leap year of faith“ von RED TAPE PARADE.

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Es ist kein technisch hochanspruchsvoller Auftritt. Auch ist Nathan nicht der weltbeste Gitarrist. Aber diesen Anspruch stellen weder er noch die Fans an ihn, denn an diesem Abend und an diesem Mann zählt die Stimme. Und mit dieser verzaubert er die 100 Gäste vom ersten Moment an. Als „As the waves crash down“ einsetzt ist schlagartig Ruhe in dem vollbesetzten Raum. Während bei regulären Clubkonzerten oder in großen Hallen immer mal wieder jemand mit seinem Nachbarn spricht, herrscht hier eine gespannte Stille, niemand möchte auch nur ein Wort dieses wirklich sehr intimen und wunderbaren Abends verpassen. Die Songs motivieren zum Aufbruch, zum Hintern hoch bekommen oder sind einfach nur auf schöne Art melancholisch und handeln alle von persönlichen Erfahrungen. Diese teilt Nathan auch mit seinen Zuhörern, vor jedem Lied gibt es die Geschichte dazu – wie ist entstanden, was ist die Aussage bzw die Message dahinter, was ist die persönliche Geschichte, die dahinter steckt. Oder aber auch nur Aussagen wie ‚bei BOYSETSFIRE spielen wir dieses Lied nicht mehr, also spiele ich es hier, denn es ist meins‘. NATHAN GRAY ist ein Vollblutkünstler, der die emotionale Stimmung, die durch die Songs selbst entsteht, in den Pausen auch immer wieder durch Gags auflockert, so dass trotz der Schwere der Texte sehr viel gelacht wird.

Zugaben im eigentlichen Sinne gibt es nicht, in Karlsruhe wird direkt das volle Set gespielt, da ein kurzes Zurückziehen von der Bühne ohnehin nicht möglich ist – die einzige Seite der Bühne, die nicht von Fans umrundet ist, ist von einer Wand begrenzt. Und auch nach dem Auftritt zeigt NATHAN GRAY wieder, wie sehr ihm an seinen Fans und dem Kontakt und Austausch mit ihnen liegt – er steht direkt, nachdem er die Gitarre abgestellt, sich bei allen bedankt und noch einen Schluck getrunken hat, für Fotos, Autogramme und kurze Gespräche bereit.

Alles in allem – ein wunderschöner Abend mit wahrhaft magischen Momenten, ein unfassbar sympathischer Künstler zum Anfassen und das in der Hoffnung, ihn bald wieder live sehen zu können. Was aufgrund des vollen Terminkalenders sehr wahrscheinlich ist, denn diverse weitere Deutschlandtermine sind noch in diesem Jahr angedacht.

Ein Interview mit Nathan vom Abend in Karlsruhe findet ihr hier.

 

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(Fotos: Sabrina)

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